Das sagen die Medien:

Stück zum
Reinbeißen - Erstes Bratwursttheater in Holzhausen brachte das Publikum zum
Jubeln
Von Klaus-Dieter Simmen, TLZ, 03.08.2010
Was unterscheidet das Bratwursttheater vom Bauerntheater? Genau: die Wurst. Und
um die dreht sich (fast) alles in „Hans Wurst und die Liebesbratwurst“. Johann
von Siebeleben, Probst im Jungfrauenkloster, hat soeben die Thüringer Bratwurst
erfunden. Und die ist ihm, wir wissen es, wohlgeraten. Was wir seit der
Bratwursttheater-Premiere im Holzhäuser Bratwurstmuseum auch noch wissen: Sie
ist deshalb so lecker, weil er bei der Erfindung des Thüringer Markenzeichens an
die schöne Annegret dachte. Liebe verleiht Flügel, auch beim Erfinden von Wurst.

Hans Wurst (Thomas Mäuer) führt durch die
Posse
Der historische Eintrag vom 20. Januar 1404 „I g vor darme czu brotwurstin“ gibt
dem kulinarischen Spektakel den Rahmen. Und den verknüpft für die Zuschauer
geschickt Hans Wurst. Thomas Mäuer brilliert in der Rolle mit feinem Witz.
Bischof Lullus ist von der Erfindung seines Probstes angetan. Der Mann, dem
leibliche Genüsse über alles gehen, schwelgt ganz in Bratwurst. Wäre Petrus ihm
zugeneigt, würde es Bier regnen und Bratwürste schneien. Doch vorerst
verhinderte Priorin Barbara von Uhlstetten auf ganz irdische Weise weitere
Genüsse dieser Art. Weil sie den Prior lieber für sich hätte, vermasselt sie die
Liaison zwischen Annegret und Johann von Siebeleben. Den schickt der Bischof ins
italienische Exil – und fortan missraten im Kloster sowohl Bierbrauen als auch
Bratwurstmachen. Das stürzt Lullus in eine tiefe Krise, bringt Johann wieder
nach Hause, die missgünstige Priorin in einem Ochsenkarren weit weg in Richtung
Spanien und Annegret an die Seite ihres Geliebten. Das wird einfach und kompakt
erzählt, klug gemischt mit herrlich schmalzigen Liedern über Liebe und
Sehnsucht. Im Falle von Lullus ganz auf wunderbar gebräunte Bratwürste fixiert.

Lullus (Danny Plachter) und Johann (Bernd
Plachter) im Disput
Beim Bauerntheater würde nun der Vorhang fallen. Bratwursttheater geht da ganz
andere Wege. Das Publikum wird in die leiblichen Genüsse auf der Bühne mit
einbezogen. Das beginnt mit einem Aperitif zum Entree. Nach dem ersten Akt
wieseln hübsche Mädchen durchs Theaterzelt und servieren Bratwürste in Brötchen
mit Herzform. Ein Festmahl erwartet die Zuschauer in der Pause nach dem dritten
Akt, die sich dann auch entsprechend ausdehnt. Und zum guten Schluss gibt es
noch eine „Liebesbratwurst“ zum mitnehmen – eine süße Variante übrigens.

Anegret (Andrea Plachter) verzehrt sich
nach Johann
Doch nicht nur kulinarisch spielt das Publikum mit, es darf mitsingen und
schunkeln und so teilhaben, wenn das Liebespaar vereint und Lullus wohl
gesättigt ist. Bernd Plachter als Johann von Siebeleben hat die Musik
geschrieben, gemeinsam mit Sohn Danny, der einen herrlich verfressenen Lullus
gibt. Andrea Plachter ist Annegret und Barbara. Die Texte stammen von Vater und
Sohn Plachter und von Thomas Mäuer. Damit das Stück gelingt, haben sich aber
viele Mitglieder des Vereins der Freunde der Thüringer Bratwurst ins Zeug
gelegt. Bühnenbild und -technik, Kostüme und natürlich die reibungslos
verlaufende Versorgung lagen in Vereinshänden. Und: Alle – ab auf, vor oder
hinter der Bühne – hatten mindestens ebenso viel Spaß wie das Publikum. Wer
jetzt Appetit verspürt auf „Hans Wurst und die Liebesbratwurst“, hat dieses Jahr
noch dreimal in Holzhausen Gelegenheit: Am 21. August, am 18. September und am
2. Oktober hebt sich der Vorhang für das kulinarische Spektakel.

