usgerechnet
zum großen Festumzug des Thüringentages goss in Greiz wie aus Eimern. Der Regen
konnte zwar die Laune bei Schaulustigen und Akteuren drücken, aber nicht
verderben. Unter Schirmen und Regenplanen harrten die Menschen zu Tausenden am
Straßenrand aus, um sich die 145 Bilder und 3000 fantasievoll gekleideten
Mitwirkenden nicht entgehen zu lassen.

"Es war fantastisch wie alle durchgehalten haben", sagte ein Sprecher der
Thüringer Staatskanzlei. Schließlich seien auch viele wertvolle Kostüme,
Instrumente und historische Objekte klitschnass geworden. Im Zeitraffer konnten
die Besucher 800 Jahre Greizer Geschichte nachvollziehen. Thüringer Regionen
stellten sich von ihrer schönen Seite vor. Die Greizer präsentierten sich als
Hochburg der Weltraum-Fans. Stammt doch nicht nur der erste Deutsche im All,
Sigmund Jähn, aus dem benachbarten Morgenröthe-Rautenkranz im sächsischen
Vogtland; auch die deutsche Nummer Zwei im Kosmos, Ulf Merbold, ist ein
Vogtländer: Er verbrachte seine Kindheit und Jugend in Greiz, bevor er 1960 in
den Westen floh, weil er nicht in Jena studieren durfte. Bei der Talkrunde
"Jugend trifft Weltall" platzte das Greizer Theater aus allen Nähten.

Auf der Bühne - geschmückt mit einem Raumfahrer-Anzug und einem Modell der
US-Raumfähre Discovery - saß neben Jähn und Merbold ein aktiver Kosmonaut: Der
Russe Sergej Wolkow im blauen Overall, der noch vor einem Jahr im All war. "Es
ist eine sinnliche Erfahrung vom allerfeinsten", schwärmte Merbold vom Start der
Columbia 1983 - seinem ersten Flug ins All - und berichtete dann teils
augenzwinkernd von den Experimenten im Weltraumlabor. "Wer einmal im All war,
kommt mit einer veränderten Wahrnehmung zur Erde zurück", erzählte der Physiker.
"Es wird einem besonders bewusst, dass wir diesen wunderschönen Planeten
bewahren und schonen müssen für unsere Kinder und Kindeskinder."

Merbold hatte extra für den Thüringentag eine USA-Reise um einen Tag verschoben.
Zu seinem 68. Geburtstag am Samstag ehrte die Stadt ihren Ehrenbürger mit einem
Empfang im Weißen Saal des Unteren Schlosses. Ministerpräsident Dieter Althaus
(CDU) erinnerte daran, dass Merbold bei seinem Flug ins All 1992 eine
Thüringen-Flagge mit in den Orbit genommen hatte, die jetzt in der Staatskanzlei
aufbewahrt werde. "Das zeigt die Verbundenheit zu Ihrer Heimat." Als Geschenk
überreichte er einen Nachbau des weltberühmten Zeiss- Mikroskops von 1857. Zudem
gab es eine Erdbeertorte für den Jubilar, der heute mit seiner Frau in Stuttgart
lebt.

Der Thüringentag war zugleich Höhepunkt im Jubiläumsjahr "800 Jahre Greiz". Die
gut 22 000 Einwohner zählende Kreisstadt im Tal der Weißen Elster war 1209 in
einer Schenkungsurkunde des Vogtes von Weida an das Kloster Mildenfurth als "Groytz"
erstmals erwähnt worden. Zum Landesfest verwandelte sich das Zentrum der
früheren Residenzstadt in eine bunte Festmeile mit Musik auf etlichen Bühnen,
Aktionen für Groß und Klein sowie zahlreichen Händlerbuden. Gut 150
Veranstaltungen standen an den drei Tagen auf dem Programm.

Die Freunde der Thüringer Bratwurst präsentierten sich drei Tage lang mit Ihrem
stand, verteilte hunderte von Bratwurstdiplomen und gestalteten gemeinsam mit
den "Grauen Rebellen" ein einstündiges Bühnenprogramm.