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06.01.2008
Kochduell im Mittelalter
eitreisen
sind nicht möglich, noch nicht. Wer jedoch wissen möchte, wie im
15. Jahrhundert Bratwürste gemacht wurden, braucht kein
futuristisches Hightech, er muss nur das 1. Deutsche
Bratwurstmuseum in Holzhausen besuchen.
Das Holz brennt auf der Feuerstelle und strahlt ein wärmendes
Rot an die kalten Steinwände ab. Gewürze baumeln, an einem Stock
befestigt, von der Decke und die eisernen Pfannen hängen an der
kalten Steinwand, bereit für ihre Bestimmung, Bratwürste zu
braten. Über der Feuerstelle kocht ein brauner Eisentopf,
getragen von einem schwenkbaren Küchenbalken aus Holz. Wir
befinden uns in einem Teil einer mittelalterlichen Wurstküche in
der neu ausgebauten zweiten Etage des Bratwurstmuseums in
Holzhausen.

"Freunde der Thüringer
Bratwurst" und Mitgestalter der 2. Etage Bernd Hofmann (Küche
und Schreibstube), Olaf Rühe (Schmiedearbeiten) und Martin Huyer
(Wiegemesserapparat)

Mit viel Liebe zum Detail haben die Freunde der Thüringer Bratwurst das obere
Stockwerk des Museums ausgestaltet. Wie Bernd Hofmann, der bereits Kulissen für
das Arnstädter Stadttheater gestaltet hat und der früher mit dem Holzhäuser
Maler Otto Knöpfer malte. "Die Vorlage für die Küche stammt aus verschiedenen
Kupferstichen und historischen Bildern aus dieser Zeit", so Bernd Hofmann,
während er die Wände zurechtrückt. Nun ist der Rentner dabei, die letzten
Feinheiten für die Bratwurstküche fertig zu stellen. Ein Fleck von der
verschütteten Suppe hier, ein altes Brot dort, alles hat seinen Platz.
Wie die gusseisernen Pfannen, Töpfe und das Kaminbesteck von Holzhäuser
Hobby-Schlosser Olaf Rühle. Die Pfannen sind nicht immer rund und manchmal ist
eine Delle im Eisen, was die Geräte authentisch wirken lässt.

Authentisch ist ebenfalls der Wiegemesserapparat von Martin Huyer. In
einer Zeit, als es noch keinen elektrischen Fleischwolf gab, wurde mit diesem
monströsen Gerät Gehacktes hergestellt, welches - wie sollte es in Holzhausen
anders sein - zu Bratwürsten weiterverarbeitet wurde.
Neben der mittelalterlichen Herstellung und Zubereitung des Thüringer Grillgutes
wird auch vieles über die Bratwurstkultur berichtet. So sorgte das Sonneberger
Spielzeugmuseum mit einem Panoramabild einer Thüringer Kirmes für neues
Museumsmaterial, genau so wie eine Kopie des Bratwurstreinheitsgebotes und der
urkundlichen Ersterwähnung.
Ab dem 20. Januar kann man sein Wissen über die Thüringer Rostbratwurst
erweitern, dann wird die neue Etage eröffnet. Und wenn man sich in der
Mittelalterküche genau umschaut, entdeckt man eine kleine Maus, die sich hinter
einem Reisigbesen versteckt. Sie ist bestimmt auf dem Sprung, eine leckere
Rostbratwurst zu stibitzen..
Moritz Peters
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