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einem Jubiläum der besonderen Art waren wir von unserem Vereinsmitglied Jörg
Becker eingeladen. 400 Jahre "Goldene Henne" galt es zu feiern. Anlass für den
Verein "Freunde der Thüringer Bratwurst e.V." das Gasthaus in den Status des "Arnstädter
Stammlokales" zu erheben. In den Wintermonaten finden alle Vorstandssitzungen in
diesem Hause statt. Nach einem Sektempfang und dem Arnstädter Bierlied von und
mit Fred Schmidt lies Jörg Becker die wechselvolle Geschichte des Hauses Revue
passieren. Sowohl Höhepunkte, wie der Besuch Goethes und Bismarcks, als auch
dunkle Stunden, wie der Verfall während und nach den Weltkriegen, wurden noch
einmal lebendig.

Jörg Becker hält die Festansprache
Jeder Gast erhielt dann eine Flasche "Schneiders Weissbier 1608", eine
Sonderedition der Brauerei Schneider in Kehlheim. Das anschließende Büffet bot
Leckereien aus 4 Jahrhunderten:
1608 Olla Potrida - Fleischsuppe nach altem Rezept
1708 Pilzmousse - Variationen von Fischmousse - Spargelmousse
1808 Spanferkel gefüllt und entbeint
1908 Salatvariationen mit Flusskrebsen, Kartoffelwürfeln und Kartoffeldressing
2008 moderne Dessertvariationen und Beilagen.
Michael Kirchschlager (verantwortlich für die Suppe) sorgte mit seinem Auftritt
für Heiterkeit und die szenische Umsetzung der Anhörung des jungen Bachs bei
seinem Dienstherrn wurde mit viel Beifall bedacht. Mit Unterhaltung durch Fred
Schmidt und dem Jazzy-Duo und vielen interessanten Kontakten und Gesprächen
klang der Abend aus. In den historischen Kellergewölben gab es zudem eine
Hausausstellung, die interessantes aus der Geschichte des Hauses präsentierte.

Blick in den Saal

Die Jubiläumstorte

Johann Sebastian Bach mit seinem
Dienstherrn

Der Vorstand bei der Arbeit
(Quelle: Goldene Henne)
Von Eberhardt PFEIFFER (Thüringer
Allgemeine am 05.11.2009):
In neuem alten Glanz
ARNSTADT. Wenn jemand 400 Jahre alt wird, sieht er meist ziemlich alt aus. Beim
Gasthaus zur Goldenen Henne in Arnstadt ist das Gegenteil der Fall: Die "Henne"
wirkt zum Jubiläum so jung wie selten zuvor.
Hätte man vor 20 Jahren jemandem erzählt, dass man eine Einladung in die "Henne"
nach Arnstadt hat, das allgemeine Mitleid wäre dem Eingeladenen sicher gewesen.
Vom "dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Hauses" sprach am Montag
Henne-Wirt Jörg Becker, und er meinte damit nicht nur die DDR-Zeit, sondern
schon jene, die nach dem ersten Weltkrieg begann. Aus dem stolzen Gasthaus war
zunächst ein Lazarett, später ein Umsiedlerhaus und dann eine Art
Obdachlosenheim geworden, wobei das noch mit die freundlichste Bezeichnung war,
die über die "Henne" in Arnstadt kursierte.
Am Montag aber kamen alle gern. Und jeder, der zum 400. Jubiläum in den Saal der
Henne geladen war, wurde sicher von vielen beneidet. Denn das Traditionshaus ist
wieder ein Schmuckstück im Herzen der Stadt geworden. Und zu danken ist dies der
Familie Becker. Jörg, dem Wirt, und Sabine, der Besitzerin, die trotz anfänglich
großen Widerstands, trotz wirtschaftlicher Rückschläge und trotz persönlicher
Schicksalsschläge an eine große Tradition anknüpfen konnten, die am Montag zum
Jubiläum in Wort und Bild vielen noch einmal bewusst gemacht wurde. Durch die
Haus-Ausstellung im Keller, durch die Festreden und die Gastauftritte, zum
Beispiel von Stefan Buchtzik als junger Bach, Peter Schaaf als gestrenger
Kirchenmann und Michael Kirchschlager als Ritter, der im Nebenjob am Bufett auch
noch eine köstliche Fleischsuppe nach altem Rezept von 1608 ausgab. Parallelen
zu Kirchschlagers Recherchen über den Giftmord in der "Henne", die er auch in
einer Veranstaltung des Hauses außerhalb des Jubiläums zum Besten gibt, waren
nicht zu verzeichnen. Auch nach dem Suppen-Genuss waren alle Plätze noch
besetzt.
Ob die Bach-Familie ihre berühmten Treffen, bei denen auch "schlüpfrige Lieder"
gesungen wurden, wirklich in der "Henne" abgehalten hat, ist unter Historikern
zwar umstritten (TA berichtete), aber auch ohne diese Gäste wäre die Liste der
berühmten Persönlichkeiten, die sich hier aufhielten, lang genug. Goethe
nächtigte hier, Willibald Alexis und Gneisenau. Von Reichskanzler Bismarck ist
sogar noch überliefert, was er 1850 zum Frühstück konsumierte: "ein reichliches
Frühmahl von delikaten Schmerlen und einem Boxbeutel von 1811". Und natürlich
waren berühmte Arnstädter wie Bechstein und die Marlitt in der Schankstube zu
Gast.
An all diese Höhepunkte der goldenen Vergangenheit des 1608 erstmals erwähnten
Gast- und Logierhauses wurde zum Jubiläum erinnert und auch daran, dass es sich
über eine sehr lange Zeit als "bestes Haus am Platze" etablieren konnte, das
auch die Fürstenfamilie verwöhnen durfte.
Doch die "Henne" ist nicht nur ein Haus mit Vergangenheit, sondern auch mit
einer lebendigen Gegenwart. Als "Ort der Kommunikation" möchte Jörg Becker seine
Räume verstanden wissen. Und er verweist auf die zahlreichen Vereine, die hier
gegründet wurden und ihre Versammlungen und Veranstaltungen in der "Henne"
abhalten. Eigene Reihen wurden etabliert - und der Henne-Wirt ist auch als
Schauspieler aktiv: In der neuen thematischen Stadtführung "unheimliches
Arnstadt" empfängt er die Touristen als "Meister Mämpel". Denn das Haus war
lange Zeit im Besitz der Familie Mämpel, deren Angehörige ebenfalls zum Jubiläum
geladen waren.
Es gab viele Gratulanten an diesem Abend, der Landkreis war gleich mit seiner
Doppelspitze Kaufhold / Zobel vertreten, die Stadt durch den Vize-Bürgermeister
Ulrich Böttcher. Aber auch Bärbel Grönegres, die Chefin der Thüringer
Tourismus-Gesellschaft, war gekommen und viele andere, die Rang und Namen haben.
Und es gab ein Bufett, das der Tradition des Hauses gerecht wurde: Aus jedem
Jahrhundert eine Spezialität, von der Suppe über Fischmousse-Variationen bis zur
sehr gegenwärtigen Riesen- Torte mit Bild des Gast- und Logierhauses, gefertigt
von der Firma frischback und angeschnitten vom Ehepaar Becker.
"Für mich ist dieses Haus eine erste Adresse", sagte Landrat Benno Kaufhold in
seiner kurzen Ansprache. Man möchte hinzufügen: Danke, Familie Becker, dass es
die "Henne" noch gibt. Und dass dieses Arnstädter Traditionshaus nun endlich
auch wieder zu sich selbst gefunden hat.