it durchaus gemischten Gefühlen blicken die Kartoffelbauern dieser Tag auf das
trockene Wetter. Was der Landwirtschaft eher schlecht bekommt und eine qualittativ hochwertige Ernte derzeit verhindert, erwies sich für das 13.
Heichelheimer Kartoffelfest als Glücksfall. Dorthin machten sich Samstag
Heerscharen auf. Auf solch ein Gewimmel war Frederico Kauffmann-Doig nicht
vorbereitet. Der 80-jährige Archäologe, seit 2007 Perus Botschafter in
Deutschland, zeigte sich "vollkommen begeistert" vom 13. Heichelheimer
Kartoffelfest. Als Ehrengast erlebte er, wie mehr als 10.000 Besucher aus
Thüringen und benachbarten Ländern auf das Gelände rund um die Heichelheimer
Mühle strömten, um die Kartoffel als wichtiges Grundnahrungsmittel und als
Kulturgut zu feiern.

Kauffmann-Doig, der Deutschland aufgrund seiner Herkunft sein
Vaterland nennt, kennt aus seinem Mutterland zwar auch fröhliche Feste für die
Frucht, die in Südamerika seit 8000 Jahren auf dem Speiseplan steht. Doch mit Heichelheimer Ausmaßen seien diese überhaupt nicht zu vergleichen. In Perua
nenne man derartige Menschenansammlungen eine Hormiguera, was von Hormiguero, zu
deutsch Ameisenhügel stammt.
Dass Heichelheim zudem ausgerechnet 2008 die Deutsch-Peruanische
Kartoffelfreundschaft hochleben lässt, nannte der Botschafter im TA-Gespräch
einen "Gottessegen". Schließlich befinden wir uns im von der UNO ausgerufenen
Jahr der Kartoffel. Lob, Preis und Ehr" werden dem wahren Gold der Anden bzw.
der Inka zuteil, wie einst der spanische Medizin-Nobelpreisträger Severo Ochoa
die Kartoffel nannte.
Kauffmann-Doig gehörte auch zu jenen 36 Persönlichkeiten, die in diesem Jahr der
"Prominentenacker" versammelte. Dort ging es traditionell an die Ernte. Während
der Botschafter ebenso zur Tat schritt, wie u. a. Landtagspräsidentin Dagmar
Schipanski, Minister a. D. Andreas Trautvetter, Innenminister Manfred Scherer
(r. untenen) und der stellvertretende TA-Chefredakteur Dirk Löhr, mussten sonst
besonders oft die Heichelheimer Kartoffelprinzessin Katja I. und die Thüringer
Bergkönigin Monika I. Hand anlegen: in Vertretung von Ministerpräsident Dieter
Althaus, der Sozialministerin Christine Lieberknecht oder auch Weimars OB Stefan
Wolf. Die ertragsreichste Reihe verbuchte Peter Winkler (Winkler Eigenheim-Bau)
für sich, mit umgerechnet 430 Dezitonnen pro Hektar.

Unser Nachbarstand - das Deutsche
Bienenmuseum
Rundum zufrieden war nach dem Fest Dietmar Barthel vom Förderverein "Heichelheimer
Kartoffel". Den Ansturm führte er neben dem Wetter auch auf veränderte
Bedingungen zurück. Der direkt am Festgelände auf einem Feld eingerichtete
Parkplatz erwies sich für das Mühlengelände als Vorteil. Der Nachteil traf die
Ablig und das Kartoffelmuseum, die - im Dorf gelegen - deutlich weniger Besucher
hatten. Als gute Entscheidung erwies sich derweil der Tausch von Festzelt und
Bühne, was mehr Platz für das Festgetümmel schuf. Im Zelt fanden das Schaukochen
und die Thüringer Meisterschaft im Kartoffelschälen statt. Diese entschied, als
einer von zwei Männern unter vielen Frauen, der Weimarer Dolmetscher Willi
Pawlik mit 2830 Gramm für sich. Das war neuer Rekord, Pawlik wurde spontan "Der
schnelle Willi" getauft.

Auch die Händler hatten ihre helle Freude am Publikum, und am späteren
Nachmittag einige Not, als plötzlich kein einziger Kartoffelpuffer mehr vorrätig
war und bald auch kein Stück Kuchen mehr. Permanenten Zuschauerandrang
verzeichnete die Festbühne, die ein buntes Programm bot, mit dem Ingerslebener
Schalmeienorchester und der Thüringer Jodelkönigin, Akrobatik und Breakdance aus
Erfurt, Schaukämpfen des Weimarer Boxvereins und Modenschau aus Leuthental.
Den größten Spaß des Festes bot der Gaudi-Lauf mit der Rekordbeteiligung von
zehn Teams. Die Heichelheimer Kirmesjugend hatte als Seriensieger und
Veranstalter auf einen Start verzichtet. So war der Weg frei für die Ollendorfer
Fußballer. Sie sicherten sich mit der Zusatzlast von 250 Kilo Kartoffeln den
Sieg vor der Karland-Jugend (175 kg), die als Zeitschnellste ins Ziel kamen.
Doch jedes Kilo brachte eine Sekunde Zeitgutschrift, was den Ollendorfern einen
uneinholbaren Vorsprung bescherte. Frauensieger wurde übrigens
Großobringen-Pink.
Quelle: Thüringer Allgemeine - Michael
HELBING

Frau Aurora Luque (li.) und Frau
Konsulin Martha de Commer aus Peru