06. April 2007

Unser Mann Down under

eit dem September des vergangenen Jahres ist unser Vereinsmitglied Mathias Klinghammer für ein Jahr als Rucksacktourist in Australien unterwegs. Im Vorfeld dieser Reise hatten wir ihm den Kontakt zu Tom Wagner in Melbourne vermittelt. Mit der Folge, dass Mathias nun Down under am Rost von Tom Wagner steht. Nachfolgend nun sein Bericht über die letzten Wochen und Monate in Australien:
 

Einige der tödlichsten Schlangen der Welt leben in Australien, wie beispielsweise der Inlandtaipan oder die King-Brown-Snake. Doch die mit Abstand gefährlichste und vor allem gefräßigste ihrer Art ist die Schlange vor Tom Wagners Wurstbude auf den größten Veranstaltungen in Melbourne, Adelaide und Sydney. Da ein so riesiges Geschöpf nur sehr schwer alleine gebändigt werden kann, holt sich der vor circa 17 Jahren immigrierte Deutsche Verstärkung in Form von durchs Land reisenden Rucksacktouristen. Da ich durch meine "Freunde der Thüringer Bratwurst" schon vor meiner Abreise nach Australien von dieser Möglichkeit wusste, machte ich mich nach Ankunft in Sydney auch bald auf den Weg nach Melbourne, wo die deutsche Delikatesse produziert wird. Nur wenige Telefonate später traf ich mich mit Tom und konnte die Plüschwurst "Grilli", eine Grußkarte sowie eine Ausgabe des Bratwurstboten überreichen. Des weiteren war mir das Glück beschieden für zehn Tage auf der "Royal Melbourne Show" im Wagnerschen Verkaufsstand meine Dienste zu verrichten. Angefangen beim Brötchen aufschneiden, über Pommes frittieren bis hin zum Braten und natürlich Verkaufen der wursteigen Leckerein war mein Arbeitstag ausgefüllt. Das Sortiment kann sich blicken lassen: neben Bratwurst, Weißwurst, Krakauer, Debreciner und Bockwurst gibt es auch eine Beef-Eater (100% Rindfleisch). Serviert werden die Köstlichkeiten traditionsecht in einem Brötchen, doch kann der Australier noch aus drei weiteren Extrabeilagen wählen, welche sich aus Käse, Zwiebeln und Sauerkraut zusammensetzen. Ein weiteres kleines Opfer an die australische Kultur ist die Tatsache, dass die Weißwurst hingegen der althergebrachten Tradition auf einer Seite angebraten wird, da sich der hiesige Kunde nur schwer von dem Fakt überzeugen lässt, dass jenes Produkt trotz seiner blassen Färbung und den fehlenden Grillspuren eben doch gut durch ist und nicht noch im Inneren roh. Ebenso ist die Benutzung von Holzkohle als Hitze lieferndes Element dem Australier gänzlich fremd. Stattdessen findet man überall, so auch bei Tom Wagner, eine große Metallplatte vor, welche durch darunter angeordnete Gasflammen befeuert wird. Alles in allem kann man das geschmackliche Ergebnis als äußerst gelungen betrachten, auch wenn es doch hinter den heimischen Originalen ein wenig an Boden verliert.

Mathias Klinghammer (li.), Grilli und Tom Wagner (re.)

Doch bereits nach dem kurzen Zeitraum von zehn Tagen juckte es mich wieder in den Beinen und meine Reise musste fortgesetzt werden. gemeinsam mit einem Freund und vom verdienten Geld wurde ein Auto gekauft und auf ging es gen Westen. Zunächst über die berühmte und wunderschöne "Great Ocean Road" zum Orangenpflücken ins Riverland sowie Eisbergsalat ernten in der Nähe von Adelaide. Weihnachten und Silvester wurden im charmanten Adelaide selbst verlebt. Danach stand die bislang weiteste Fahrt auf dem Programm: rund 2500 Kilometer von Adelaide nach Perth durch größtenteils einsamste sowie verlassenste Gegenden in denen maximal alle 100 Kilometer eine überteuerte Tankstelle und sonst außer endlos erscheinenden Geradeausstücken sowie unzähligen leider tot am Straßenrand liegenden Kängurus nicht viel zu finden ist. Nach kurzem Aufenthalt in Perth ging es circa 150 Kilometer nördlich davon ins schöne New Norcia, dem einzigen Benediktinerklosterdorf Australiens. Hier fand ich Anstellung im anliegenden Obstgarten und durfte kurz am Klosterleben schnuppern.

All das waren bis jetzt beeindruckende Erfahrungen und wollte ich sie im Detail mit all ihrer imposanten Wirkung und den unglaublich freundlichen Menschen die ich währenddessen traf darstellen, ich könnte wohl gar fünf Bratwurstboten füllen. Doch das soll nur ein kurzer Abriss des Erlebten sein. Nur soviel sei noch erwähnt. Zur Zeit hat es mich wieder zu meinen Wurzeln zurück verschlagen und ich stehe erneut in Adelaide wie auch Melbourne im Bratwurststand von Tom Wagner. Besonderen Reiz übt dabei die Formel 1 aus, auf welche ich in den nächsten Tagen durch meine grillende Tätigkeit freien Eintritt erhalte.

Wie es danach weitergeht weiß wohl nur der Wind, denn die Freiheit eines Rucksacktouristen in Australien ist nahezu grenzenlos und nur schwer überschaubar. Auf jeden Fall freue ich mich bereits auf meine erste echte Thüringer Bratwurst auf heimischen Boden und verweile bis dahin mit besten Grüßen und einem SeeYa!

Mathias Klinghammer